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| | | | | Fr 22.06.2012 14:02 | | | Bezugnehmend auf den Beitrag «Behutsam in die Moderne» von Katja Schmidberger in der TLZ vom 22. Juni d. J. habe ich folgende Anmerkungen und Ergänzungen hinzuzufügen. | | | | Eisenach - Dass ein Architekt, hierMichael Heß, von seiner Arbeit überzeugt ist und gern am Tag der Architektouren Werbung für sich macht, ist verständlich und legitim. Aber wenn es um das Bauwerk Josef-Kürschner Str. 2 geht, so stehen seit Jahren grundsätzliche unbeantwortete Fragen im Raum, die sich auch nicht durch noch so blumige Beschreibungen wegdiskutieren lassen.
Zu recht sagt der Architekt «Vor Baukunst kann man nicht flüchten, sie ist wohl die öffentlichste Kunst, die es gibt, weil sie so präsent ist.» Um dieses Gebäude gab es harte Auseinandersetzungen zwischen Südstadtverein, Bauherrn und Bauausschuss, in deren Ergebnis der Bauausschuss den Bau eines Hauses mit Flachdach ablehnte (die TLZ berichtete). Hauptargument (nicht nur) gegen das Flachdach war natürlich in erster Linie die Südstadtsatzung, die Gesetzeskraft hat, so dass jede Abweichung eine detaillierte Begründung zwingend erfordert.
Nicht der Geschmack der Bauherren also kann eine solche Abweichung legitimieren. In diesem besonderen Fall war man sich schließlich auch einig, dass sich gerade dieses Gebäude nicht nur von allen Seiten, sondern auch von oben dem Betrachter zeigt und deshalb die Gestaltung des Daches Einfluss auf das gesamte Erscheinungsbild des Hauses im gegebenen Kontext hat. Wie sagte der Architekt; «Man kann vor Baukunst nicht flüchten» Hier liegt die besondere Aufgabe des «Künstlers», nämlich auch die Öffentlichkeit an seiner Kunst zu erfreuen.
Mögen sich die Bauherren an herrlichen Ausblicken aus ihrem Haus in die Landschaft und die schönen alten Gründerzeitvillen mit abwechslungsreichen Dächern, Türmchen, Erkern und Gauben laben, so bleibt den Nachbarn ebenso wie den zahlreichen Besuchern des Südviertels ein hässlicher Anblick auf ein riesiges zweigeteiltes Flachdach, teils bekiest und mit diversen Abzugsrohren garniert, teils überdeckt von einer an dieser Stelle völlig unmotivierten ziegelgedeckten «Sandkastenabdeckung».
Das so hochgelobte, unter Denkmalschutz stehende Südviertel lebt von seinen Bezügen zur Natur und seinen Blickbeziehungen, die unvergleichlich gekonnt einst von den Planern dieses Areals vorgedacht und umgesetzt wurden.
Wie brachial viele heutige Architekten und ein unfähiges Stadtplanungsamt dieses sensible Gebiet auf Jahre verschandelt haben, lässt sich leider vielerorts dokumentieren.
Gute Architektur ist eben nicht nur eine «Haustür mit ihrem warmen Ton», eine unauffällige Garageneinfahrt oder edle Materialien; schon gar nicht nützt dem Betrachter von außen die moderne Einrichtung der Wohnung oder die angebliche Energieeffizienz.
Gute Architektur zeichnet sich eben auch wesentlich durch gekonntes Einfügen in den Kontext aus. Dies nimmt die Öffentlichkeit wahr und das sollte daher immer an erster Stelle bei der Bewertung von Architektur stehen.
Eine Frage noch zum Schluss an den Architekten und die Bauherren: Wie soll das Gebäude eigentlich aussehen, wenn das von der Verwaltung geforderte und nach ihrer Aussage innerhalb von drei Jahren zu errichtende Steildach realisiert worden ist? Oder ist diese Forderung der Verwaltung nur vorgeschoben und somit nichts weiter als ein übler Scherz? Es gehört schon ein gehöriges Maß an Unverfrorenheit dazu, ein Haus, das gesetzeswidrig und gegen das Votum des Bauausschusses entstanden ist, auch noch in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und zudem noch für einen Architekturpreis nominieren zu lassen.
Susanne Stückrad
Leserbriefe stellen die Meinung des Verfassers dar und müssen nicht mit der Meinung der Redaktion von WartburgkreisOnline übereinstimmen. (lb/rbr) | |
| V.i.S.d.P.: Rainer Beichler |
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